Wie schafft ihr es im Alltag für eine 

AUSGEWOGENE WORK-LIFE-BALANCE 

zu sorgen?

Interviews Yannah Alfering

25. Januar 2021 22:45 Uhr

LAURA, 29, KOMMUNKATIONSMANAGERIN „Ich arbeite seit anderthalb Jahren für ein norwegisches Unternehmen in Berlin. Erst freiberuflich, wodurch ich mir meine Zeit frei einteilen konnte, und nun, seit knapp zehn Monaten, fest angestellt. Anfangs war das eine Umstellung. Trotzdem kommt mir die skandinavische Art zu arbeiten sehr entgegen. Privates und Berufliches wird bei uns nie so richtig voneinander getrennt. Für viele wäre das sicherlich das Gegenteil von Work-Life-Balance, für mich ist es allerdings perfekt. 

Wenn ich morgens einen Arzttermin habe oder bis zehn Uhr beim Sport bin, bekomme ich dafür von meinen Kollegen und Kolleginnen keine merkwürdigen Blicke. Wenn ein Lunch-Date länger dauert, ist es kein Problem für meinen Arbeitgeber. Genauso wenig stört es mich, wenn ich dafür mal einen Abend im Homeoffice verbringe. Für diese Flexibilität bin ich sehr dankbar. 

Für eine ausgewogene Work-Life-Balance habe ich mich dafür entschieden, nur 80 Prozent zu arbeiten und den Freitag frei zu nehmen. Diesen Wochentag, an dem die Innenstädte und Cafés nicht so überfüllt sind, nur für mich zu haben, ist mir deutlich mehr wert als 20 Prozent mehr Gehalt. Außerdem starte ich jeden Morgen mit ein paar Sonnengrüßen, also Yoga, in den Tag und nehme mir ganz bewusst eine halbe Stunde Zeit, die ich mit Mate-Tee im Bett verbringe.“

SABRINA, 32, ART-DIREKTORIN „Ich habe jahrelang in Werbeagenturen gearbeitet. In diesem Arbeitsumfeld halst man sich immer mehr Arbeit auf, als man eigentlich schaffen kann. Im Umkehrschluss traut man sich nicht immer, Deadlines anzufechten, obwohl sie eigentlich utopisch sind. Gerade bei jüngeren Arbeitskräften gehören Überstunden dazu. Bei mir hat sich viel geändert, seit ich Mutter bin. Ich kann aktuell keinen Vollzeitjob machen und sage deshalb von vornherein, dass ich zu einer gewissen Uhrzeit den Stift fallen lassen muss. Das gelingt mir natürlich nicht immer. Ich arbeite aber daran, meine Grenzen zu kommunizieren und zu sagen: Nein, ich kann jetzt nicht länger arbeiten und ich kann es auch heute Abend nicht nacharbeiten. 

Nach Feierabend versuche ich bewusst runterzukommen. Ich mache gerne Sport, gehe viel Laufen. Frische Luft hilft. Außerdem versuche ich mich gesund zu ernähren und Alkohol und Zigaretten unter der Woche zu meiden. Das ist wichtig für mein Immunsystem und meine psychische Gesundheit. 

Einmal die Woche versuche ich Freunde zu sehen, die anderen Tage halte ich mir aber frei. Wenn ich mir den Kalender mit zu vielen sozialen Kontakten fülle, habe ich oft am Tag der Verabredung gar keine Lust mehr und sie wird zu einer Verpflichtung – das versuche ich zu vermeiden. 

Mein Wochenende verbringe ich meistens einen Tag gemütlich zu Hause und den anderen draußen in der Natur. Entweder fahre ich mit der Familie aus Berlin raus oder wir gehen auf Flohmärkte, Fahrradfahren oder Minigolfspielen. Ich finde es wichtig, am Wochenende neue Eindrücke zu bekommen und sich auf etwas zu freuen.“ 

SIYE, 35, ACCOUNTMANAGER „Ich finde die Voraussetzung für eine gute Work-Life-Balance ist, genau zu wissen, wer man selber ist. Nur dann kann man Aktivitäten, die einem wirklich gut tun, in sein Leben integrieren. Mir hat Meditation sehr geholfen, ein besseres Bewusstsein für mich selbst zu bekommen und achtsamer zu werden. 

Wir sind durch Social Media konstant äußeren Einflüssen ausgesetzt. Ich habe festgestellt, dass es mir sehr hilft, die Benachrichtigungen auf meinem Handy auszuschalten. So kann ich selber entscheiden, wann ich erfahren möchte, dass mich jemand in einer Instagram-Story erwähnt hat oder nach Langem mal wieder etwas gepostet hat und werde nicht fremdbestimmt. 

Ruhe finde ich außerdem beim Kochen. Das lässt sich super in den Alltag integrieren. Als ich noch im Büro gearbeitet habe, bin ich oft auswärts Mittagessen gegangen, was nicht selten mit einem Kundentermin verbunden war. Jetzt im Homeoffice gönne ich mir wirklich eine Pause und nutze die Stunde nur für mich allein. Das genieße ich sehr.“

DANNY, 30, VOLONTÄR „Ich tue mich oft schwer mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Ich muss mich wirklich zwingen, Arbeit und Freizeit nicht zu sehr zu vermischen. Als Journalist verbringe ich viel Zeit auf Social Media, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Mein Job geht also häufig über die eigentliche Arbeitszeit hinaus, weil ich abends noch über Artikelideen nachdenke oder mich auf einen Interviewtermin am nächsten Tag vorbereite. 

Um aus dieser Bubble rauszukommen, versuche ich dreimal die Woche Freunde zu treffen, mit denen ich über andere Dinge rede. Dann gehen wir essen oder kochen gemeinsam. Um meinen Kopf abzuschalten, höre ich außerdem gern laut Musik und tanze dazu durch meine Wohnung – das hilft immer.“